Drucken

Werner Heinze

am .

"Die bewohnte Landschaft von Dr.Orpel"

Die bewohnte Landschaft www.galerie-wehr.de

- Arbeiten des Malers Werner Heinze

Die Landschaft des Nordens entwickelt eine sehr spezielle Anziehungskraft. Nicht nur die Weite dieser Landstriche als solche, die dramatischen Himmel, die Wolkenbildung, die Atmosphäre, wie wir sie dort erleben können, bezaubert uns, auch künstlerisch umgesetzt bietet die Küstenlandschaft der Nord- oder der Ostsee einen besonderen Reiz. Die Farben erscheinen viel kräftiger in dieser an sich monotonen Landschaft. Es gibt beeindruckende Perspektiven zwischen Himmel und Meer, die in der Erinnerung nachwirken und die sich künstlerisch aus jenem Landschaftstypus herausentwickeln lassen.

Der Maler Werner Heinze, der im Raum Oldenburg lebt, hat dieser Landschaft in seinem Werk ein Denkmal gesetzt. Bilder von Heinze werden unter anderem von der Galerie Wehr in Pulheim vertreten. Es ist eine besondere Art der Landschaftsmalerei, die überzeitlich wirkt gerade deshalb, weil sie sich nicht davor scheut, Zeitspuren zu konservieren. Selten sind Heinzes Landschaften reine Naturlandschaften, sondern vielmehr handelt es sich hierbei oft um vom Menschen geformte Landschaften mit Deichen oder mit gepflügten Äckern; Zäunen, angelegten Wegen, Leuchttürmen, Parks, Eisenbahnlinien, Kanälen, Anglerkähnen und städtischen Palais.

Trotz dieser eindeutigen Verweise auf einen bestimmten Ort geht es dem Maler weniger um die Wiedererkennung als solcher, sondern vielmehr um die Poesie des Lichtes, das durch seinen visuellen Reiz, Sinneseindrücke evoziert. Um den Genius loci gewissermaßen, wie er sich in sinnlichen Eindrücken manifestiert. Bei jenem von Heinze bevorzugten Landschaftstypus entfaltet das Licht eine besonders intensive Wirkung. Intensiv bedeutet in diesem Zusammenhang eine Wirkung, die in die Tiefe geht und die den Betrachter auf seiner Phantasiereise durch die Zauberwelt der norddeutschen Landschaft begleitet.

Nicht Idyllen sind hier bevorzugt, sondern vielmehr der erdige Typus der kultivierten, vom Menschen bearbeiteten Landschaft. Heinze geht es offenkundig um den Gegensatz zwischen Natur und Naturbearbeitung, Besiedlung, Veränderung der von Natur aus vorhandenen Situationen. Bewusst wählt er die erwähnten Sujets, um dadurch die Präsenz des Menschen in dieser Landschaft zu unterstreichen. Straßen, Brücken, Kanäle oder Häuser – stets ist es das Zusammentreffen von Natur und der im obigen Sinne vorgenommene Naturbearbeitung, die den Reiz dieser Bilder ausmacht.

Die bearbeiteten Felder, die angelegten Wege sind Spuren, die der Mensch in der Natur hinterlassen hat, sind Spuren, die auf die Anwesenheit des Menschen hindeuten. Indem der Künstler unsere Aufmerksamkeit auf jenen Spuren richtet, entreißt er das an sich alltägliche, leicht übersehbare Erscheinungsbild unserer Zivilisation seiner Banalität und verleiht ihm durch die Kunst Beständigkeit und Zeitlosigkeit. Die Brücke beispielsweise wird dabei zum tragenden Element der Komposition, zum Gerüst der Struktur.

Bei Heinzes Bildern wirkt vor allem das sorgsam ausgeklügelte Gleichgewicht zwischen Spontaneität und Komposition. Dieses Wechselspiel bedingt, dass sich der Künstler über die Abbildhaftigkeit, zu der die Landschaftmalerei bisweilen verführt, löst. Er geht stärker auf Distanz zu seinem spontanen Empfinden und objektiviert die Landschaft, wie es bei seiner Technik geboten scheint.

Ganz charakteristisch für Heinzes Malerei ist der Ausschnitt. Durch die Wahl des Ausschnittes und durch den Verzicht auf das Guckkastenprinzip erleben wir eine Art der Subjektivierung. Dies ist so zu verstehen, dass uns der Ausschnitt gleichfalls auf die Beschränktheit unseres eigenen Blickwinkels verweist. Der Mensch ist nicht in der Lage, die Objektivität zu erfassen, weil er selbst als integrierter Bestandteil in die Landschaft, die er malt oder betrachtet, eingefügt ist.

Durch die Ausschnitthaftigkeit seiner Kompositionen zeigt uns der Maler auf eine sehr anschauliche Weise, dass der humane Horizont auf unseren sehr spezifischen Blickwinkel beschränkt bleibt, dass aber die objektive Landschaft jenseits des von uns erfassten Momentes zu suchen ist. Er fokussiert unsere Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Szenerie, auf die Spiegelung in einem Kanal oder auf ein Haus, das an einem Kanal steht. Diese Zivilisationsspuren sind gleichzeitig auch Merkzeichen einer Hierarchisierung, wie sie in der Natur an sich nicht vorkommt. Für den Menschen bedeutet „Erkennen" in einem sehr konkreten Sinne „Ordnen". Diesem Prinzip wird der Maler gerecht, indem er seine Komposition bewusst aufbaut und dabei den Blick des Betrachters systematisch lenkt.

War oben von der Ausschnitthaftigkeit die Rede, die für Heinzes Bilder charakteristisch ist, so kann man feststellen, dass er die erwähnten Spuren menschlicher Präsenz sehr bewusst in seine Komposition einbaut und so einen sehr spezifischen bildnerischen Rhythmus entstehen lässt. Trotz der vermeintlichen Subjektivität in den Bildern von Werner Heinze stoßen wir hier auf eine ganze Reihe von bewusst vollzogenen Entscheidungen, die dem Bild seine ganz spezifische Ausstrahlung geben.

Werner Heinze wurde 1955 in Bad Rothenfelde geboren. Nach einer Lehre als Dekorateur und einem Studium der Soziologie an der Universität Bielefeld arbeitete er als freischaffender Künstler. Seit 1983 stellt er regelmäßig aus. Werken von ihm waren außer in der genannten Galerie bereits in der Galerie Leutloff, Berlin, der Galerie Burg auf Fehmarn, der Galerie Moderne in Bad Zwischenahn sowie im Kunstverein Nordham zu sehen. Auch in Spanien, wo Heinze zwischen 1983 und 1988 lebte, waren seine Werke bereits mehrfach in Galerienausgesetllt.