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Brigitta Zeumer

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Pressestimmen

Die Werke von Brigitta Zeumer erinnern in Stil und Symbolhaftigkeit an asiatische Malerei. Auf meist weißem Grund wachsen Farbinseln, die durch schwarze Linien verbunden und ineinander verschlungen sind. Es sind sehr klare Bilder, deren Geheimnis jedoch in der Komposition der Bildelemente liegt. Die Kölner Künstlerin hatte bereits Ausstellungen auf der ganzen Welt. Das Besondere an den Werken von Zeumer ist, dass die Künstlerin mit starker Sensibilität und großem Gefühl für Farben, Gestalten und Material an die Arbeit herangeht. So sind einige Werke auf handgeschöpftem Büttenpapier aus Frankreich gefertigt. Dieses Papier hat eine starke, filzartige Faserstruktur und ist beinahe so dick wie Pappe. Damit erhalten die Bilder allein durch die Auswahl des Untergrundes eine Dreidimensionalität, auch die Farbflächen sind nicht mehr eben, sondern fügen sich in die Struktur des Papiers ein. Zeumer versteht es, auf ganz sanfte Weise Kontraste zu erzeugen. Der Hintergrund der Werke bleibt meist unbehandelt, die Elemente des Bildes treten damit genauer hervor. Auch die unterschiedliche Konsistenz und Leuchtkraft der Farben komponiert Zeumer sensibel zu einem Ganzen.

Annika Ernst, „Süddeutsche Zeitung"

Die Kunstformen aus aller Welt beeinflussen sich gegenseitig. Und so verwundert es nicht, wenn die Spur fernöstlicher Malerei direkt in die Bilder der Kölnerin Brigitta Zeumer (Jahrgang 1939) einfließt. Aus dynamischen Pinselschwüngen, absichtlichen und zufälligen Flecken sind ihre abstrakten Kompositionen entstanden, die im Foyer der Deutschen Welle für gleichermaßen bewegte wie ruhige Farbschwingungen sorgen. Grund für die Präsentation an diesem Ort sind die internationalen Ausstellungsaktivitäten der Malerin, die in den letzten zehn Jahren neben Japan, Taiwan, Hongkong und Singapur mehrfach China besuchte. Mit Stolz erzählt sie von ihren ersten Ausstellungen in Peking und Schanghai, als außer Käthe Kollwitz kaum deutsche Künstler in der chinesischen Volksrepublik bekannt waren. Ihren malerischen Ansatz hatte sie ohne großes Wissen der asiatischen Kulturtradition entwickelt, aber im Zuge ihrer Reisen hat sie viel von der chinesischen Kunst und Begegnungen mit chinesischen Künstlern gelernt. Die konzentrierte Leichtigkeit der Kalligraphie ist als Einfluss in ihrer Arbeit ebenso unübersehbar wie die Ein-Sicht in die Bedeutung der Leere, ausgedrückt im Wechselspiel zwischen reduzierten Farbklängen und weißer Bildfläche. Wenige Gesten genügen, um sich in die verschlungenen Prozesse des Kosmos und des Seelischen einzuschmiegen und zu zeigen, was unaussprechlich ist: das Gleichmaß einer aufgeregten Bewegung, die Zartheit eines (Farb-)Spritzers und die Harmonie der Unruhe. Die Bilder müssen auf einen Schwung sitzen, sonst scheitern sie oder wirken gefummelt. Manchmal reichen ein einziger Strich und ein Kreis mit schwarzer Tusche. Andere Male sind viele Farben ineinander gewirbelt und leuchten wie Blumen in einer Sommerwiese. Die Namenlosigkeit eines intuitiven Farbtanzes steht neben bewussten motivischen Anklängen (wie der Sturz des Ikarus oder der Pilgerweg zum Dom). Reduzierung und Dynamik erscheinen als die Ideale in Brigitta Zeumers Malerei.

Jürgen Kisters, „Kölner Stadt-Anzeiger"

In den Fenstern zum Wassergarten leuchten schon Bilder der Malerin und Graphikerin Brigitta Zeumer. Sie ist nicht unbekannt am Niederrhein. Trotzdem überraschen ihre neuen, atmosphärisch dichten Farbklänge. Sonaten, Sinfonien, auch kleine Strophen hat sie mit Pinsel und Stiften aufs Papier gezaubert. Der großen Harmonie der Welt, die sich abseits vom kleinlichen Alltag bewegt, hat sie ihre Farbmelodien abgelauscht.

In Rot, Blau, Grün und Gelb, akzentuiert von Schwarz, erfreuen sie das Auge und stoßen im Betrachter leise innere Schwingungen an. Daran beteiligt sind die leeren Stellen in jedem Bild. Erst diese regen an, die Bildmelodie weiterzusingen. Aus der intensiven Selbsterfahrung mit ostasiatischer Kunst hat Brigitta Zeumer das Prinzip der Leere gelernt. Es ist wie mit einer Geschichte: Wenn alles mitgeteilt wird, ist das Lesen eine fade Sache. Also möge der Betrachter sich unter den roten Flächen Sonnen, Blüten, ein Symbol für Lebensfreude vorstellen und unter blauen Schatten aufdämmernde Ideen.

Hanne Buschmann, „Rheinische Post"

Die farbkompositorischen Klangwelten eines Wassily Kandinsky scheinen die Aquarelle Brigitta Zeumers wachzurufen. Sie lernt ihre künstlerische Formen- und Farbenwelt als Schülerin von Karl Anton Räderscheidt kennen.

Die Landschaft wird ab 1975 bestimmendes Motiv ihrer Arbeit – jetzt schon in der inzwischen vorherrschenden Aquarelltechnik. Und gerade der flüchtige Charakter und die Leichtigkeit des Aquarells treiben Brigitta Zeumer immer weiter in ihrer künstlerischen Tätigkeit, forcieren das freie Spiel der Farbflecken und Linien bis hin zu jenen neuen Blättern, die tatsächlich als Signum von Empfindungen und Befindlichkeiten gelten können und dem Ziel nahe kommen, Bilder wie Gedichte zu schaffen. Darin ist auch die Möglichkeit zu suchen, in Brigitta Zeumers Aquarellen nicht nur individuelle Sinnzeichen zu sehen, sondern auch Aussagen wie zum Beispiel das Verhältnis der Grundelemente zueinander oder das Wechselspiel mit den Träumen und Hoffnungen der Menschen.

Nikolai B. Forstbauer (aus „Edition S", Deutscher Sparkassenverlag GmbH, Stuttgart)